Es gibt einen Ort auf Madeira, an dem man auf einem schmalen Bergpass stehen und gleichzeitig beide Küsten der Insel sehen kann — das tiefe Blau des Atlantiks im Süden und die wilde, wolkenverhangene Nordküste zur Linken. Dieser Ort ist die Encumeada, und der Weg dorthin gehört zu den lohnendsten Bergwanderungen ganz Portugals.
Wegübersicht
| Detail | Info | |---|---| | Wegname | Vereda da Encumeada (PR1.3) | | Lage | Zentraler Gebirgskamm, Serra de Água / São Vicente | | Start/Ziel | Boca da Encumeada (Passstraße ER228) | | Höhe | ~1.007 m am Pass | | Distanz | ~11 km (je nach Routenoption) | | Dauer | 4–5 Stunden | | Markierung | Gelb-rote PR-Wegmarkierungen |
Die Vereda da Encumeada folgt dem zentralen Rückgrat Madeiras und verbindet den Encumeada-Pass mit Abschnitten des höchsten Inselkamms. Im Gegensatz zur bekannteren Route Arieiro–Ruivo im Osten begegnet man auf diesem Weg deutlich weniger Wanderern — oft hat man die vulkanischen Felsgrate und lorbeerbedeckten Täler ganz für sich allein.
Der Ausgangspunkt liegt direkt an der Boca da Encumeada, einem bekannten Gebirgspass an der ER228 zwischen Ribeira Brava (Südküste) und São Vicente (Nordküste). Es gibt einen Parkplatz, ein Restaurant und eine kleine Aussichtsterrasse — der Zugang mit Auto oder Bus ist unkompliziert.
Der Encumeada-Pass — 1.007 Meter über dem Meer
Die Encumeada ist nicht nur ein Wanderstart. Sie ist eine geographische Kreuzung. Auf 1.007 Metern liegt der Pass im Sattel zwischen zwei der höchsten Massive Madeiras — dem Pico Ruivo im Osten und dem Paul da Serra im Westen. Damit ist er einer der wenigen Orte der Insel, an denen die zentrale Bergkette tief genug absinkt, um einen natürlichen Korridor zwischen Nord- und Südküste zu bilden.
An klaren Tagen sieht man die Ortschaft São Vicente und das Meer im Norden sowie das Tal der Serra de Água, das zur Südküste hinabfällt. Der Kontrast ist beeindruckend: Die Nordhänge sind üppig grün, steil und häufig in Wolken gehüllt, während die Südseite trockener ist und im Sonnenlicht badet.
Kommen Sie früh am Morgen, um die besten Chancen auf klare Sicht am Pass zu haben. Wolken bauen sich im Laufe des Nachmittags von Norden auf, und gegen Mittag können die Nordaussichten hinter einer Nebelwand verschwinden.
Ausblicke auf Beide Küsten
Das ist das Alleinstellungsmerkmal der Encumeada-Wanderung — und etwas, das nur sehr wenige Wanderungen in Europa bieten können. Während man dem Kamm folgt, wechselt man ständig zwischen den Aussichten auf die beiden Inselseiten:
- Südküste: Die terrassierten Hänge der Serra de Água, das Ribeira-Brava-Tal und die sonnenbeschienene Südküste bis nach Funchal.
- Nordküste: Die dramatischen grünen Schluchten von São Vicente, die Nebelwälder an den Hängen und die dunklen Basaltklippen, die weit unten auf den Ozean treffen.
An mehreren Stellen des Weges kann man beide Küsten gleichzeitig sehen. Diese doppelte Perspektive vermittelt ein seltenes Gefühl dafür, wie schmal und steil Madeira wirklich ist — eine Vulkaninsel mit nur 22 km an der breitesten Stelle, die sich dennoch auf fast 1.900 Meter erhebt.
Die Kammabschnitte sind exponiert und können windig sein, belohnen aber mit Panoramablicken in alle Richtungen. An außergewöhnlich klaren Tagen erkennt man die Desertas-Inseln im Südosten und die schwache Silhouette von Porto Santo im Nordosten.
Schwierigkeitsgrad
Die Vereda da Encumeada wird als mittelschwer bis anspruchsvoll eingestuft. Sie ist nicht so fordernd wie die Traverse vom Pico do Arieiro zum Pico Ruivo, sollte aber nicht unterschätzt werden.
Was sie Anspruchsvoll Macht
- Höhenunterschiede: Der Weg folgt dem Kamm mit ständigen Auf- und Abstiegen. Der Gesamthöhengewinn auf der vollen Route beträgt etwa 500–600 Meter.
- Exponierte Abschnitte: Teile des Pfades verlaufen auf schmalen Graten mit steilen Abbrüchen. An den exponiertesten Stellen sind Geländer angebracht, aber Wanderer mit Höhenangst sollten sich dessen bewusst sein.
- Unebenes Gelände: Der vulkanische Felsuntergrund ist rau und kann bei Nässe rutschig sein. Wanderschuhe mit gutem Profil sind unverzichtbar.
- Wetterwechsel: Die Bedingungen auf 1.000 Metern können sich schnell ändern. Wolken, Wind und Regen können innerhalb von Minuten aufziehen, selbst an Tagen, die klar beginnen.
Was sie Zugänglich Macht
- Gut markierter Weg: Die PR-Markierungen sind durchgehend klar und einheitlich.
- Moderate Distanz: Mit rund 11 km ist die Route für einigermaßen fitte Wanderer machbar.
- Einfacher Zugang zum Start: Der Encumeada-Pass liegt an einer Hauptstraße mit Parkplatz und Einrichtungen.
- Keine Tunnel: Anders als bei der Route Arieiro–Ruivo gibt es hier keine dunklen Tunnel.
Prüfen Sie immer die Wegbedingungen auf der IFCN-Madeira-Website oder -App, bevor Sie aufbrechen. Bergwege können wegen Steinschlag, Brandgefahr oder extremem Wetter gesperrt sein.
Beste Jahreszeit
Der Weg ist ganzjährig geöffnet, aber das Erlebnis unterscheidet sich je nach Saison erheblich:
- Mai bis Oktober ist die beste Zeit. Der Himmel ist am klarsten, die Temperaturen in der Höhe sind angenehm (15–22 °C), und die Tage sind lang. Juli und August sind die trockensten Monate, können aber auf dem exponierten Kamm heiß werden — genügend Wasser und Sonnenschutz mitnehmen.
- September und Anfang Oktober bieten den besten Kompromiss: warmes Wetter, weniger Besucher als im Hochsommer und hervorragende Sicht. Das Herbstlicht in dieser Höhe ist besonders schön.
- November bis März bringt Regen, Nebel und kühlere Temperaturen. Der Weg kann rutschig sein, und Wolken verdecken oft die Aussichten. Seltene klare Wintertage bieten jedoch die dramatischsten Wolkeninversionen.
- April ist eine Übergangszeit — Wildblumen beginnen an den Hängen zu blühen, aber Regen ist weiterhin möglich.
Was Mitnehmen
- Wanderschuhe mit Knöchelstützung und gutem Profil — der Vulkanfels verzeiht keine Fehler.
- Winddichte Jacke — der Kamm ist exponiert, und der Wind auf 1.000 m kann auch im Sommer stark sein.
- Warme Schicht — ein Fleece oder isolierendes Midlayer, da die Temperaturen gegenüber Meeresniveau deutlich sinken.
- Sonnenschutz — Hut, Sonnenbrille und Sonnencreme. Die UV-Strahlung in der Höhe ist intensiv.
- Mindestens 1,5 Liter Wasser pro Person und energiereiche Snacks.
- Regenjacke — das Bergwetter ist unberechenbar.
- Voll aufgeladenes Handy — für Navigation und Notfälle. Das Mobilfunksignal ist entlang des Kamms lückenhaft.
Anreise
Mit dem Auto
Die Boca da Encumeada liegt etwa 40 Minuten mit dem Auto von Funchal entfernt. Nehmen Sie die Via Rápida (VR1) nach Westen bis Ribeira Brava und folgen Sie dann der ER228 nach Norden durch das Serra-de-Água-Tal. Die Straße steigt stetig durch Terrassenfelder und Eukalyptuswald bis zum Pass. Am Ausgangspunkt gibt es einen kostenlosen Parkplatz.
Von der Nordküste ist der Pass etwa 20 Minuten von São Vicente auf derselben ER228 entfernt.
Mit dem Bus
Die Rodoeste-Buslinie 6 (Funchal–São Vicente) fährt durch den Encumeada-Pass. Prüfen Sie den aktuellen Fahrplan, da die Verbindungen begrenzt sind — in der Regel einige Abfahrten pro Tag. So lässt sich die Wanderung in eine Richtung machen und der Bus zurücknehmen, aber planen Sie sorgfältig nach dem Fahrplan.
Mit Zipline Kombinieren
Nach einem Tag auf Madeiras Bergrücken gibt es keinen besseren Ausklang als einen Schuss purer Adrenalin. Die Zipline von Adrenaline Adventures in Porto Moniz lässt Sie 1,6 km über ein atemberaubendes Tal fliegen — mit bis zu 110 km/h und dem Atlantik als Kulisse.
Die Fahrt vom Encumeada-Pass nach Porto Moniz dauert etwa 40 Minuten über die landschaftlich reizvolle Nordküstenstraße durch São Vicente — eine der schönsten Strecken der Insel. Kombinieren Sie einfach die Wanderung an einem Tag und die Zipline am nächsten für ein unvergessliches Zweitages-Abenteuer zwischen Berg und Ozean.
Oder, wenn Sie alles an einem Tag erledigen möchten, machen Sie die Zipline am Morgen und die Encumeada-Wanderung am Nachmittag (oder umgekehrt). Die Nähe des Wanderstarts zu Porto Moniz macht diese Kombination besonders praktisch.
Zipline-Preise Ansehen und BuchenDie Vereda da Encumeada bietet etwas Seltenes — einen Weg, auf dem sich die gesamte Insel von einem einzigen Bergrücken aus offenbart. Zwei Küsten, zwei Klimazonen, eine unvergessliche Wanderung durch das Herz Madeiras.
Häufig Gestellte Fragen
Sind Levada-Wanderungen gefährlich?
Die meisten Levada-Wanderungen sind sicher und gut gepflegt. Einige Wege haben schmale Abschnitte und Tunnel — bringen Sie eine Taschenlampe mit und tragen Sie gute Wanderschuhe.
Brauche ich einen Wanderführer auf Madeira?
Gut markierte PR-Wege können selbstständig begangen werden. Für anspruchsvolle Routen wie Pico Arieiro zum Pico Ruivo bietet ein Führer mehr Sicherheit und Ortskenntnisse.
Was sollte ich auf eine Levada-Wanderung mitnehmen?
Regenjacke, Wanderschuhe, Wasser (mindestens 1,5L), Snacks, Stirnlampe für Tunnel und Sonnenschutz.
Wann ist die beste Wandersaison?
April bis Juni und September bis Oktober bieten die besten Bedingungen — milde Temperaturen, weniger Regen und weniger Touristen.
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