Tief in den Bergen im Norden Madeiras gibt es einen Ort, an dem ein Wasserfall hundert Meter in ein Becken stürzt, das so grün ist, dass es wie flüssiger Smaragd aussieht. Die Felswände schließen sich von allen Seiten, uralte Lorbeerbäume klammern sich an den Fels, und das einzige Geräusch ist das Donnern des Wassers, das von den Basaltwänden widerhallt. Das ist der Caldeirão Verde — der Grüne Kessel — und die Levada-Wanderung, die dorthin führt, ist eine der schönsten in ganz Europa.
Streckenübersicht — PR9
| Detail | Information | |---|---| | Offizieller Name | PR9 — Levada do Caldeirão Verde | | Distanz | 13 km (Hin- und Rückweg) | | Dauer | 5–6 Stunden (Hin- und Rückweg) | | Höhe | Start ~880 m — überwiegend flach entlang der Levada | | Startpunkt | Queimadas, Santana | | Art | Hin- und Rückweg | | Markierung | Gelbe und rote PR-Wegzeichen |
Der PR9 ist einer der offiziell ausgewiesenen Wanderwege Madeiras und wird von der Regionalregierung unterhalten. Der Weg folgt einem Bewässerungskanal — einer Levada — der im 18. Jahrhundert gebaut wurde, um Wasser von den Bergen zum Ackerland zu transportieren. Entlang der Levada zu wandern bedeutet, dass die Route nahezu komplett flach ist, aber die Landschaft drumherum ist alles andere als sanft: steile Schluchten, dichter subtropischer Wald und Felswände, von denen an jeder Biegung Feuchtigkeit tropft.
Die Route im Detail
Queimadas bis zum ersten Tunnel (3 km)
Die Wanderung beginnt im Queimadas-Waldpark in Santana, einem friedlichen Startpunkt mit traditionellen Strohdachhäusern, Picknicktischen und einem kleinen Ententeich. Von hier aus führt der Weg in den Lorbeerwald — ein UNESCO-Welterbe — und folgt dem Levada-Kanal durch einen grünen Korridor uralter Bäume. Der erste Abschnitt ist breit und sanft, perfekt zum Aufwärmen und um die Atmosphäre aufzunehmen. Farne, die höher als ein Mensch sind, säumen den Weg, und das Blätterdach filtert das Licht in sanfte Grüntöne.
Die vier Tunnel
Das ist es, was den Caldeirão Verde von den meisten Levada-Wanderungen unterscheidet. Zwischen Queimadas und dem Wasserfall am Ende führt der Weg durch vier Tunnel, die direkt in den Bergfels gehauen wurden. Sie reichen von etwa 20 bis über 100 Meter Länge.
Eine Taschenlampe oder Stirnlampe ist unverzichtbar — die Tunnel sind komplett unbeleuchtet. Der Boden ist uneben und nass, und die Decken sind stellenweise niedrig. Eine wasserdichte Jacke schützt vor dem tropfenden Wasser von oben.
Die Tunnel verleihen der Wanderung ein echtes Abenteuer-Gefühl. Vom hellen Tageslicht in die völlige Dunkelheit zu treten, das Echo von Wasser und den eigenen Schritten am Fels zu hören, und dann wieder ins Sonnenlicht und in das üppige Grün des Tals zu treten — das ist jedes Mal ein unvergessliches Erlebnis.
Der Grüne Kessel
Nach etwa 6,5 km endet der Levada-Weg in einem natürlichen Amphitheater aus senkrechten Felswänden, die sich über 100 Meter auf allen Seiten erheben. Ein Wasserfall stürzt von der Oberkante der Felswand in eine tiefe Lagune von einer außergewöhnlich grünen Farbe. Das Becken verdankt seinen Farbton den Mineralien im Basalt und den Algen auf dem Fels, und an einem sonnigen Tag leuchtet es förmlich.
Das ist der Caldeirão Verde — der Grüne Kessel. Es ist einer jener Orte, die Fotos nicht vollständig einfangen können. Das Ausmaß der Felswände, das donnernde Geräusch des Wasserfalls, der Nebel auf der Haut und das intensive Grün des Wassers verschmelzen zu etwas, das man persönlich erleben muss.
Am Ende des Weges gibt es eine kleine Aussichtsplattform, auf der man sitzen, essen und die Landschaft genießen kann, bevor man den Rückweg antritt.
Verlängerung — Caldeirão do Inferno
Für Wanderer, die mehr wollen, geht der Weg über den Caldeirão Verde hinaus weiter zum Caldeirão do Inferno (Kessel der Hölle). Diese Verlängerung fügt etwa 5 km Hin- und Rückweg und circa 2 zusätzliche Stunden hinzu. Der Weg wird schmaler, wilder und weniger begangen. Sie durchqueren weitere Tunnel — einige länger und dunkler als die auf der Hauptroute — und die Vegetation wird dichter, je tiefer man in die Schlucht vordringt.
Der Caldeirão do Inferno ist noch abgeschiedener als sein grünes Gegenstück. Der Wasserfall hier stürzt in ein dunkleres, geschlosseneres Becken, und wahrscheinlich haben Sie den Ort ganz für sich allein. Versuchen Sie diese Verlängerung nur, wenn Sie mit der Hauptroute vertraut sind und genügend Tageslicht übrig haben.
Die kombinierte Route Caldeirão Verde und Caldeirão do Inferno umfasst etwa 18 km und dauert 7–8 Stunden. Starten Sie früh, wenn Sie beides machen möchten.
Schwierigkeit — Mittel bis Schwer
Die Caldeirão-Verde-Levada wird von der regionalen Wanderbehörde als mittel bis schwer eingestuft. Das hat folgende Gründe:
- Länge: 13 km Hin- und Rückweg (oder 18 km mit der Inferno-Verlängerung) ist eine Ganztageswanderung.
- Tunnel: Vier dunkle, unbeleuchtete Tunnel mit nassen und unebenen Böden erfordern Selbstvertrauen und eine gute Taschenlampe.
- Ausgesetztheit: Einige Abschnitte haben steile Abhänge neben dem Levada-Kanal ohne Geländer. Der Weg ist generell breit genug, um sicher zu sein, aber wer sich mit Höhen unwohl fühlt, sollte dies vorher wissen.
- Oberfläche: Der Weg besteht überwiegend aus Erde und Fels, oft nass und rutschig durch die ständige Feuchtigkeit im Wald.
- Abgeschiedenheit: Einmal tief in der Schlucht, sind Sie weit von jeder Straße oder Siedlung entfernt. Der Mobilfunkempfang ist bestenfalls lückenhaft.
Die Wanderung beinhaltet keine nennenswerten Anstiege — sie folgt der Levada und ist daher nahezu flach. Die Schwierigkeit ergibt sich aus der Distanz, den Tunneln und dem Gelände, nicht aus dem Höhenunterschied.
Was Sie Mitbringen Sollten
- Wanderschuhe mit gutem Profil — der Weg ist an vielen Stellen nass und matschig, besonders in den Tunneln.
- Taschenlampe oder Stirnlampe — absolut unverzichtbar für die Tunnel. Nehmen Sie Ersatzbatterien mit.
- Wasserdichte Jacke — nützlich sowohl für das tropfende Wasser in den Tunneln als auch für möglichen Regen in den Bergen.
- Mindestens 1,5 Liter Wasser pro Person und Mittagessen oder Snacks. Es gibt keine Geschäfte oder Cafés auf dem Weg.
- Sonnenschutz — Teile des Weges sind exponiert, wenn sich das Blätterdach öffnet.
- Warme Schicht — die Temperaturen im Bergwald können merklich kühler sein als an der Küste.
- Wanderstöcke — optional, aber hilfreich für das Gleichgewicht auf rutschigen Abschnitten.
- Voll aufgeladenes Handy — für Navigation und Notfälle, obwohl der Empfang begrenzt ist.
Beste Jahreszeit
Der Caldeirão-Verde-Weg ist ganzjährig zugänglich, aber die Bedingungen unterscheiden sich je nach Jahreszeit:
- April bis Oktober bietet das beste Wetter mit trockeneren Wegen und längeren Tageslichtstunden. Der Sommer ist die beliebteste Zeit, und Sie teilen den Weg mit anderen Wanderern, besonders in den ersten Kilometern.
- Mai, Juni und September sind ideal — angenehme Temperaturen, weniger Menschenmassen als im Juli–August, und der Lorbeerwald ist in seinem üppigsten und grünsten Zustand.
- November bis März bringt mehr Regen, was die Tunnel nasser und den Weg matschiger macht. Allerdings sind die Wasserfälle nach starkem Regen am kraftvollsten, und Sie haben den Weg weitgehend für sich allein.
Starten Sie früh — spätestens um 8:00 oder 9:00 Uhr. So haben Sie ausreichend Tageslicht, vermeiden die Mittagsmenschenmassen und können den Grünen Kessel in relativer Ruhe genießen, bevor die Hauptwelle der Wanderer eintrifft.
Anfahrt — Queimadas, Santana
Der Ausgangspunkt ist der Waldpark Queimadas, oberhalb der Stadt Santana an Madeiras Nordküste gelegen.
- Mit dem Auto: Von Funchal nehmen Sie die Schnellstraße VE1 nach Norden bis Santana (etwa 45 Minuten), dann folgen Sie den Schildern nach Queimadas. Das letzte Stück ist eine schmale Bergstraße durch den Wald. Am Ausgangspunkt gibt es einen Parkplatz, der in der Hochsaison jedoch früh voll werden kann.
- Ohne Auto: Einige Touranbieter bieten Transport und geführte Wanderungen an. Alternativ ist ein Taxi von Santana nach Queimadas eine kurze Fahrt.
Während Sie in der Gegend sind, lohnt sich ein Besuch in Santana — die berühmten dreieckigen Strohdachhäuser, der Madeira-Themenpark und die Aussichten entlang der Nordküste sind ausgezeichnet.
Kombination mit einem Zipline-Abenteuer
Nach einem Vormittag im Lorbeerwald und an Wasserfällen können Sie komplett umschalten. Die Zipline von Adrenaline Adventures in Porto Moniz ist eine der längsten Europas — 1,6 km über ein dramatisches Tal, mit Geschwindigkeiten bis zu 110 km/h und dem Atlantischen Ozean vor Ihnen.
Der Kontrast macht es besonders. In einem Moment wandern Sie still durch uralten Wald und lauschen Vogelgesang und Wasserfall; im nächsten sausen Sie durch die Luft, während der Wind an Ihnen vorbeirauscht. Es ist die perfekte Kombination von Madeiras zwei größten Stärken — der außergewöhnlichen Natur und den erstklassigen Abenteuer-Erlebnissen.
Die Fahrt von Santana nach Porto Moniz dauert etwa 50 Minuten entlang der malerischen Nordküstenstraße, sodass Sie die Wanderung am Vormittag und die Zipline am Nachmittag problemlos verbinden können.
Zipline-Preise Ansehen und BuchenDer Caldeirão Verde ist Madeira von seiner magischsten Seite — ein Ort, an dem Wasser, Fels und Wald in einer Kulisse zusammenkommen, die fast zu schön scheint, um wahr zu sein. Ob Sie am Grünen Kessel haltmachen oder weiter bis zum Inferno vorstoßen — diese Wanderung bleibt Ihnen noch lange in Erinnerung, nachdem Sie die Insel verlassen haben.
Hilfe bei der Planung? Kontaktieren Sie unsHäufig Gestellte Fragen
Sind Levada-Wanderungen gefährlich?
Die meisten Levada-Wanderungen sind sicher und gut gepflegt. Einige Wege haben schmale Abschnitte und Tunnel — bringen Sie eine Taschenlampe mit und tragen Sie gute Wanderschuhe.
Brauche ich einen Wanderführer auf Madeira?
Gut markierte PR-Wege können selbstständig begangen werden. Für anspruchsvolle Routen wie Pico Arieiro zum Pico Ruivo bietet ein Führer mehr Sicherheit und Ortskenntnisse.
Was sollte ich auf eine Levada-Wanderung mitnehmen?
Regenjacke, Wanderschuhe, Wasser (mindestens 1,5L), Snacks, Stirnlampe für Tunnel und Sonnenschutz.
Wann ist die beste Wandersaison?
April bis Juni und September bis Oktober bieten die besten Bedingungen — milde Temperaturen, weniger Regen und weniger Touristen.
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