Es gibt einen Ort auf Madeira, an dem die Zeit stehen bleibt. Uralte Baeume winden sich in fast menschliche Formen, der Morgennebel rollt so dicht durch das Blattdach, dass man kaum zehn Meter weit sehen kann, und das einzige Geraeusch ist das Tropfen von Feuchtigkeit, die von moosbewachsenen Aesten faellt. Dies ist Fanal — ein Ueberrest des Lorbeerwaldes, der einst vor Millionen von Jahren Suedeuropa bedeckte und heute nur noch auf einer Handvoll atlantischer Inseln ueberlebt.
Wenn Sie auf Madeira nur ein Naturwunder besuchen, dann dieses.
Ein UNESCO-Welterbe-Wald
Die Laurisilva von Madeira wurde 1999 zum UNESCO-Welterbe erklaert. Mit rund 15.000 Hektar — etwa 20 Prozent der Insel — ist sie das groesste erhaltene Gebiet primaeren Lorbeerwaldes der Welt. Dieser Typ subtropischen Regenwaldes erstreckte sich einst ueber weite Teile Suedeuropas und Nordafrikas waehrend des Tertiaers, vor 15 bis 40 Millionen Jahren. Die Eiszeiten loeschten ihn vom Kontinent, doch das milde, feuchte Klima Madeiras bewahrte ihn.
Fanal liegt im Herzen dieses uralten Waldgebietes, auf der Hochebene Paul da Serra auf etwa 1.150 Metern Hoehe. Es ist der zugaenglichste und visuell eindrucksvollste Abschnitt der gesamten Laurisilva und bietet ein konzentriertes Erlebnis dessen, was diesen Wald so bemerkenswert macht.
Der Begriff „Laurisilva" stammt aus dem Lateinischen laurus (Lorbeer) und silva (Wald). Madeiras Lorbeerwald beherbergt mindestens vier endemische Baumarten, die nirgendwo sonst auf der Erde vorkommen.
Die uralten Til-Baeume von Fanal
Die wahren Stars von Fanal sind die Til-Baeume (Ocotea foetens), von denen einige auf ueber 800 Jahre geschaetzt werden. Es sind keine eleganten, geradstaemmigen Baeume. Sie sind knorrig, gebogen, ausgehoehlt und mit dicken Schichten aus Moos und Flechten ueberzogen. Ihre Aeste strecken sich in unmoeglichen Winkeln aus, manche beruehren den Boden, bevor sie sich wieder nach oben krummen und natuerliche Boegen und Tunnel bilden.
Zwischen ihnen zu wandeln fuehlt sich an wie ein Filmset aus einem Fantasy-Film — und tatsaechlich reisen Fotografen und Filmemacher aus der ganzen Welt eigens wegen dieser Baeume nach Fanal. Jeder hat seinen eigenen Charakter. Manche stehen allein auf Lichtungen wie einsame Waechter. Andere stehen in Gruppen, ihre Aeste ineinander verschlungen, als fuehrten sie ein Gespraech.
Die groessten Exemplare haben Stammumfaenge von ueber fuenf Metern. Neben einem zu stehen, der bereits Jahrhunderte alt war, als Kolumbus an dieser Insel vorbeisegelte, ist eine demutigende Erfahrung.
Der Nebel: Warum Fanal sich verzaubert anfuehlt
Was Fanal von einem schoenen Wald in etwas wahrhaft Ueberirdisches verwandelt, ist der Nebel. Die Hochebene Paul da Serra liegt genau auf der Hoehe, in der sich Wolken an den Bergen bilden, und Fanal ist haeufig in dichten Nebel gehuellt — besonders in den fruehen Morgenstunden.
Wenn der Nebel den Wald fuellt, sinkt die Sichtweite auf nur wenige Meter. Die uralten Baeume tauchen auf und verschwinden, waehrend man geht, ihre verdrehten Silhouetten treten aus dem Weiss hervor wie Gestalten aus einem Traum. Geraeusche werden gedaempft. Das Licht wird weich und diffus. Die Atmosphaere ist gleichzeitig friedlich und leicht unheimlich.
Dies ist kein seltenes Ereignis. Nebel in Fanal ist die Regel und nicht die Ausnahme, besonders zwischen Oktober und Mai. Selbst im Sommer bringen fruehe Morgenstunden regelmaessig Nebel auf die Hochebene.
Beste Fotobedingungen
Fanal gilt als einer der besten Naturfotografie-Standorte in ganz Europa. Um die atmosphaerischsten Aufnahmen zu machen:
- Seien Sie vor 08:00 Uhr da — der Nebel ist fruehmorgens am dichtesten und loest sich oft bis Mittag auf
- Bewoelkte Tage sind ideal — diffuses Licht eliminiert harte Schatten und bringt Gruentoene und Texturen zur Geltung
- Verwenden Sie ein Weitwinkelobjektiv, um den Massstab der uralten Baeume gegen den Nebel einzufangen
- Bringen Sie ein Stativ mit — die schwachen Lichtverhaeltnisse im Nebel erfordern laengere Belichtungszeiten
- Fotografieren Sie in RAW — der subtile Tonwertumfang von Nebel und Moos belohnt sorgfaeltige Nachbearbeitung
- Platzieren Sie eine Person im Bild als Groessenvergleich — die Baeume wirken noch beeindruckender mit menschlicher Referenz
Fuer die dramatischsten Bedingungen besuchen Sie Fanal nach einer Regennacht. Der Nebel ist dann meist dichter, Feuchtigkeit haftet an jeder Oberflaeche, und die Farben von Moos und Rinde werden unglaublich lebendig.
Wanderwege durch Fanal
Zwei offizielle Wanderwege fuehren durch das Fanal-Gebiet oder in dessen Naehe und bieten jeweils unterschiedliche Perspektiven auf den Lorbeerwald.
PR13 — Vereda do Fanal
Schwierigkeit: Mittel | Distanz: 10,8 km (Strecke) | Dauer: 4–5 Stunden
Dies ist der klassische Fanal-Wanderweg. Er beginnt am Forstposten Assobiadores und fuehrt durch das Herz des Lorbeerwaldes hinab zum Fanal, vorbei an einigen der dichtesten und urspruenglichsten Abschnitte der Laurisilva. Der Weg schlangelt sich zwischen uralten Til-Baeumen hindurch, ueberquert Baeche und folgt alten Forstwegen durch Wiesen, auf denen Vieh im Nebel grast.
Der Weg endet am Forsthaus Fanal, wo die beruehmteste Gruppe uralter Baeume steht. Es ist eine lineare Route, sodass Sie Transport an beiden Enden organisieren muessen oder zurueckwandern.
PR14 — Levada dos Cedros
Schwierigkeit: Leicht bis Mittel | Distanz: 5,8 km (einfach) | Dauer: 2,5–3 Stunden
Vom Fanal-Parkplatz ausgehend folgt dieser Levada-Weg einem Bewaesserungskanal durch dichten Lorbeerwald Richtung Curral Falso. Er ist weniger anstrengend als PR13 und bietet ein intimeres Walderlebnis, mit dem sanften Geraeusch fliessenden Wassers die gesamte Strecke entlang. Der Weg fuehrt durch Abschnitte, in denen sich das Blattdach vollstaendig schliesst und gruene, tropfende Tunnel bildet.
Eine ausgezeichnete Wahl, wenn Sie eine kuerzere, leichtere Wanderung moechten, die dennoch vollstaendig in die Laurisilva eintaucht.
Informelle Spaziergaenge auf der Fanal-Lichtung
Man muss sich nicht auf einen ganzen Wanderweg festlegen, um die Magie von Fanal zu erleben. Das Gebiet rund um das Forsthaus und den Parkplatz ist eine offene Lichtung, die mit uralten Til-Baeumen gesprenkelt ist. Sie koennen frei zwischen ihnen umhergehen, so lange Sie moechten — dreissig Minuten oder drei Stunden. Hier werden die meisten der beruehmten Fotos aufgenommen, und es erfordert keinerlei Wandererfahrung.
Anfahrt nach Fanal
Fanal liegt auf der Hochebene Paul da Serra im westlichen Teil Madeiras, etwa 40 Autominuten von Porto Moniz und rund 90 Minuten vom Funchal entfernt.
Mit dem Auto: Nehmen Sie die Strasse ER110, die die Paul-da-Serra-Hochebene ueberquert. Aus dem Sueden (Funchal-Seite) folgen Sie den Schildern Richtung Ribeira Brava und dann der ER110 hinauf zur Hochebene. Von Porto Moniz an der Nordkueste nehmen Sie die ER110 nach Sueden. Die Abzweigung nach Fanal ist gut ausgeschildert — achten Sie auf das Schild „Fanal" oder „Posto Florestal do Fanal" auf der rechten Strassenseite (aus Porto Moniz kommend) oder der linken (aus dem Sueden). Eine schmale asphaltierte Strasse fuehrt in etwa fuenf Minuten zum Parkplatz.
Parken: Es gibt einen kleinen kostenlosen Parkplatz am Forsthaus Fanal. An Wochenenden und Feiertagen, besonders morgens, ist er schnell voll. Kommen Sie frueh oder besuchen Sie Fanal unter der Woche.
Oeffentliche Verkehrsmittel: Es gibt keinen regulaeren Busverkehr nach Fanal. Die praktischste Option ohne Auto ist eine organisierte Tour oder ein Miet-Taxi fuer den Tag.
Die Strasse nach Fanal kann neblig sein — fahren Sie langsam und benutzen Sie die Nebelscheinwerfer. Im Winter kann die Paul-da-Serra-Hochebene morgens frueh gelegentlich vereist sein.
Beste Besuchszeit fuer Fanal
Fuer Fotografie und Atmosphaere: Oktober bis Mai, Ankunft vor 08:00 Uhr. Die kuehleren Monate bringen zuverlaessigeren und dichteren Nebel.
Zum Wandern: April bis Oktober, wenn die Wege trockener und die Tage laenger sind. Aber auch im Sommer kann die Hochebene kuehl und feucht sein — nehmen Sie unabhaengig von der Jahreszeit eine wasserdichte Jacke mit.
Fuer weniger Menschenmassen: Wochentags zu jeder Jahreszeit. Fanal ist bei Fotografen und Reisegruppen zunehmend beliebt, sodass Wochenenden (besonders Sonntagmorgen) voll sein koennen.
Zu vermeiden: Mittags an klaren Sommertagen. Der Nebel hat sich wahrscheinlich aufgeloest, die uralten Baeume verlieren viel von ihrer Mystik im harschen Sonnenlicht, und die Atmosphaere, die Fanal besonders macht, geht verloren.
Tierwelt im Lorbeerwald
Die Laurisilva besteht nicht nur aus Baeumen. Der Wald beherbergt ein reiches Oekosystem von Arten, die nirgendwo sonst vorkommen:
- Madeira-Goldhaehnchen (Regulus madeirensis) — der einzige endemische Vogel der Insel, ein winziges, energiegeladenes Geschoepf mit einem lebhaften orangefarbenen Kronenstreifen. Lauschen Sie seinem hohen Ruf im Blattdach.
- Silberhalstaube (Columba trocaz) — Madeiras endemische Taube, groesser und dunkler als die gewoehnliche Ringeltaube. Sie ernaehrt sich von den Beeren der Lorbeerbaeume und ist morgens am aktivsten.
- Endemische Wirbellose — der Waldboden wimmelt von endemischen Schnecken, Kaefern und Spinnen, die an die feuchten Bedingungen angepasst sind.
- Moose und Farne — ueber 100 Moosarten und zahlreiche Farnvarietaeten bedecken jede Oberflaeche und tragen zum Maerchen-Erscheinungsbild des Waldes bei.
Halten Sie die Augen offen und die Schritte leise. Die Tierwelt hier ist nicht auffaellig, aber wahrhaft einzigartig.
Fanal mit Porto Moniz kombinieren: Der perfekte Tag
Fanal und Porto Moniz liegen nur 30 Autominuten auseinander und bilden eine natuerliche Kombination fuer einen ganzen Abenteuertag an Madeiras Westkueste.
So empfehlen wir Ihnen den Tag zu gestalten:
- Frueher Morgen (07:00–10:00) — Ankunft in Fanal zum Nebel. Wandeln Sie zwischen den uralten Baeumen, fotografieren Sie und lassen Sie die Atmosphaere des Lorbeerwaldes auf sich wirken.
- Spaeter Vormittag (10:30–12:00) — Fahren Sie hinunter nach Porto Moniz. Geniessen Sie einen Kaffee mit Kuestenblick und erkunden Sie das Dorf.
- Nachmittag (ab 12:30) — Ab zu Adrenaline Adventures fuer die Zipline und die Riesenschaukel. Nach dem ruhigen, mystischen Morgen im Wald ist der Kontrast, mit 110 km/h ueber den Atlantik auf einer 1,6 km langen Zipline zu fliegen, aussergewoehnlich. Die perfekte Kombination — Kontemplation gefolgt von purem Adrenalin.
Die Fahrt von Fanal zu unserer Basis in Porto Moniz fuehrt von der nebligen Hochebene durch dramatische Berglandschaft hinab zur rauen Nordkueste. Es ist eine der schoensten Fahrten der Insel.
Buchen Sie Ihr Zipline-Abenteuer in Porto MonizPraktische Tipps
- Kleiden Sie sich in Schichten: Fanal kann 10–15°C kuehler sein als die Kueste, und die Feuchtigkeit laesst es kaelter wirken. Eine wasserdichte Jacke ist unverzichtbar.
- Festes Schuhwerk: Der Boden rund um die Baeume kann schlammig und uneben sein, selbst bei informellen Spaziergaengen. Wanderschuhe werden empfohlen.
- Bringen Sie Wasser und einen Snack mit: Es gibt keine Einrichtungen in Fanal — kein Cafe, kein Geschaeft, keine Toilette.
- Respektieren Sie den Wald: Bleiben Sie moeglichst auf markierten Wegen. Klettern Sie nicht auf die uralten Baeume und brechen Sie keine Aeste ab. Dies ist eine geschuetzte UNESCO-Staette.
- Planen Sie mehr Zeit ein als gedacht: Die meisten Besucher planen 30 Minuten in Fanal und bleiben am Ende zwei Stunden. Die Atmosphaere zieht einen in ihren Bann.
Fanal ist Madeira in seiner magischsten Form
In einer Welt ueberlaufener Sehenswuerdigkeiten und enttaeuschender „Must-Sees" bietet Fanal etwas wahrhaft Seltenes — einen Ort, der jede Erwartung uebertrifft. Die Fotos, die Sie online gesehen haben, bereiten Sie nicht darauf vor, zwischen 800 Jahre alten Baeumen in dichtem Nebel zu stehen, nichts zu hoeren ausser Ihrem eigenen Atem und dem Tropfen von Wasser von uralten Aesten.
Es ist einer jener Orte, die einen daran erinnern, warum man reist.
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Häufig Gestellte Fragen
Wie viele Tage brauche ich auf Madeira?
A minimum of 5-7 days to experience the highlights. Two weeks lets you explore every corner of the island.
What is the best time to visit Madeira?
April to June and September to October offer ideal weather, fewer crowds, and better prices.
Do I need a car in Madeira?
A rental car is recommended for exploring beyond Funchal. The island is compact — coast to coast takes about 1.5 hours.
Is Madeira safe?
Madeira is one of the safest destinations in Europe with very low crime rates and welcoming locals.





